DFB-Futsal-Cup 2006
Göttingen, 08.April 2006 - 09.April 2006
Der UFC Münster ist erster Deutscher Futsal-Meister
Entscheidend is aufm Platz. Und aufm Platz hat der UFC Münster
Geschichte geschrieben. Erster Deutscher Meister im Futsal, als erste Mannschaft
des DFB im UEFA-Futsal-Cup! Der größte Erfolg einer deutschen Futsalmannschaft
überhaupt! Gut, so viel gab es ja auch noch nicht zu gewinnen, doch die
Mannschaft des UFC Münster blickt bereits auf einige Futsaljahre zurück.
ISFF-Vize-Weltmeister der Universitäten 2003, Deutscher Hochschulmeister 2004
und 2005, Sieger bei unzähligen Futsalturnieren in Deutschland, Westdeutscher
Meister 2005/06... Der UFC Münster geriet dabei in den Begegnungen (2x25 Min.)
der Westdeutschen Futsalliga und den Spielen des DFB-Futsal-Cups kein einziges
Mal in Rückstand, gewann alle Spiele in der Liga und die entscheidenden beim
DFB-Finalturnier, Gesamtzahl der Gegentore: 9. Das Erfolgsrezept des UFC? Eine
geschlossene Mannschaftsleistung, organisierte Defensive und - hat der UFC da
was falsch verstanden, oder reicht das jetzt nicht mehr? - ein Tor mehr schießen
als der Gegner; vor allem dann, wenn es darauf ankommt.
Schade für die
Göttinger Regionalauswahl. Zweimal stand sie dem UFC gegenüber, doch beide Teams
neutralisierten sich in zwei mal 20 Minuten Futsal, 0:0. Bei dieser Spielzeit
kam es eben darauf an, nicht in Rückstand zu geraten. Die Göttinger hatten die
beste und spektakulärste Offensive, der UFC eine sehr gute Defensive. Im Finale
hätten die Göttinger den Titel ebenso verdient wie der UFC. Das
Sechsmeterschießen schied jedoch Erst- und Zweiplatzierten. Der UFC hatte mit
3:1 das glücklichere Ende für sich.
Zur ersten Deutschen Meisterschaft hatten sich die besten acht
Mannschaften Deutschlands qualifiziert. Der SV Göttingen 07 kam die Ehre zu, den
DFB-Futsal-Cup 2006 auszurichten. Ihre Klasse bewiesen die Göttinger sowohl auf
dem Spielfeld als auch bei der Organisation. Das Team um Reinhold Napp ließ
während des perfekt geplanten Turniers keinen Wunsch unerfüllt; Busservice
zwischen Sporthalle, schickem Hotel und Restaurant, ein grandioses Buffet und
eine fürsorgliche Verpflegung in der Halle. Dieser Luxus hätte die Mannschaften
fast vergessen lassen, wozu sie nach Göttingen gereist waren.
Vor dem
Turnier wurden mehrere Namen als Favoriten genannt: Eintracht Frankfurt,
Strandkaiser, UFC Münster, ... Aber da im Prinzip jeder Spieler der Welt
spielberechtigt war und einige Teams versuchten, sich nur für dieses Turnier mit
hochklassigen Kickern zu verstärken, war völlig ungewiss, wie stark die
einzelnen Teilnehmer sein würden. Insbesondere die Göttinger Mannschaften, die
außer der selbst ausgerichteten Qualifikation bei noch keinem Futsalturnier
angetreten waren, waren schwer einzuschätzen. Zu Recht, wie sich herausstellen
sollte. Der UFC Münster trat mit der Mannschaft an, mit der er schon einige
Jahre spielt, die gleiche wie in der Westdeutschen Liga. Bis auf David
Hellendrung spielt niemand mehr im Fußballverein, also reine Futsalspieler, die
fürs Studium in Münster und natürlich für den UFC ihre (teils Verbandsliga-)
Fußballmannschaften verlassen haben. Welcher Verein konnte das neben Eintracht
Frankfurt und UFC noch von sich behaupten?
In Gruppe A setzten sich die Strandkaiser knapp vor Eintracht
Frankfurt durch. Beide Mannschaften erreichten sechs Punkte. Am Ende schied ein
einziges Tor den ersten vom zweiten Platz. Die Strandkaiser gewannen ihre ersten
beiden Gruppenspiele gegen den SVC Kastellaun und den RSV Göttingen jeweils mit
3:1. Die Eintracht gewann gegen den RSV ebenfalls mit 3:1, verlor aber
überraschend gegen die sonst überforderten Kastellauner mit 1:4. Im letzten
Gruppenspiel siegte aber die Eintracht mit 2:0 gegen die Strandkaiser und
verpasste den Gruppensieg somit um ein einziges Tor, zu dem sich viele
Gelegenheiten boten. Die Strandkaiser retteten sich knapp über die Ziellinie.
Kastellaun hätte daraufhin im letzten Spiel mit einem Sieg über die bereits
ausgeschiedenen Göttinger sogar noch den Gruppensieg schaffen können, vergab
aber eine 3:1-Führung und einen Penalty beim Stande von 3:3. Am Ende siegte RSV
Göttingen mit 4:3.
In Gruppe B verlief das erste Spiel für den UFC nach Wunsch. In
der zweiten Minute wurde Julian Tietze im Strafraum von hinten gefoult. Bartek
Kaiserek verwandelte den fälligen Sechsmeter mit einem harten Schuss, den der
Weimarer Keeper nur ins eigene Tor ablenken konnte. In der Folge setzte der UFC
sein Offensivspiel fort und kam schnell zu weiteren Gelegenheiten. Nach toller
Vorarbeit von Julian Offermann konnte Gereon Quick nach einer schnellen Drehung
den Ball mit der linken Pike zum 2:0 unter die Torlatte schießen. Bei einem der
wenigen Angriffe von Blankenhain fiel einem Gegner der Ball im Strafraum
unverhofft vor die Füße. Tomasz Luzar warf sich in den Schuss, aber aus der
kurzen Distanz konnte er den Ball nicht mehr erreichen, 2:1. Davon ließ sich die
Mannschaft aber nicht beirren, da die spielerische Überlegenheit des UFC zu groß
war. Bis zum Schlusspfiff konnten erneut Bartek Kaiserek nach tollem Solo von
Figo Westerheide, Uli Winkler, nachdem er nach einem Dribbling von Offermann
freigespielt wurde, und zum dritten Mal Kaiserek nach einem Solo von Quick auf
5:1 erhöhen.
Im zweiten Spiel traf der UFC gleich auf die Mannschaft, die
von allen Teams die schönsten Offensivaktionen bot. Die Regionalauswahl, die
unter dem Namen des ausrichtenden Vereins SV Göttingen 07 antrat, war aus den
besten und trickreichsten Einzelspielern der umliegenden Landes- und
Verbandsligamannschaften gebildet. Alle Spiele der betroffenen Fußballvereine
wurden vom übergeordneten Fußballverband für dieses Wochenende abgesagt. Ein
Göttinger Spieler erhielt trotz einer achtwöchigen Sperre eine
Sonderspielerlaubnis für das Turnier. Die SVG hatte ihr erstes Gruppenspiel
gegen Rosenheim souverän mit 3:1 gewonnen. Wie erwartet begannen die Göttinger
sehr offensiv und schussstark. Der UFC stand sehr tief und wartete auf
Kontermöglichkeiten. Nach einigen Minuten konnte sich Gereon Quick vor dem
gegnerischen Tor freispielen und schoss aus kurzer Entfernung auf die lange
Torecke. Der Ball klatschte an den Innenpfosten und sprang ins Feld zurück. Der
einschussbereite David Hellendrung konnte den Ball nicht mehr voll treffen.
Danach wurden die Göttinger vorsichtiger und warteten länger mit dem Abschluss.
Bis zum Schluss hatten sie zwar viel mehr Spielanteile, konnten sich aber nicht
mehr nah genug vors Tor schieben. Trotzdem gelang auch ihnen ein Pfostenschuss,
dem UFC noch einige Konter, die aber ebenso erfolglos blieben. Nach einem
spannenden und teils spektakulären Spiel trennten sich die zwei besten Teams
torlos. Der Gruppensieg sollte erst am Sonntagmorgen entschieden werden.
Zuvor wurden alle Teams mit einem Busservice zum Hotel und von dort zum
Vereinsheim der SVG gefahren. Die Ausrichter hatten wirklich für alles gesorgt
und boten den Mannschaften ein großartiges Buffet. Schon an diesem Abend konnte
der UFC seine Titelambitionen unterstreichen. Der dem Buffet nächstgelegene
Tisch wurde besetzt, die Schmährufe anderer Teams über hungernde Studenten
ignoriert. Einige Spieler liefen schon hier zur Höchstform auf. Der
abschließende Fernet hinterließ glasige Augen. Auf der Rückfahrt wurde der Bus
mit den feinsten UFC-Klängen beschallt.
Am Sonntagmorgen stand das entscheidende Spiel um den Einzug
ins Halbfinale gegen Rosenheim an. Eine Niederlage des UFC hätte Rosenheim ins
Halbfinale und den UFC ins unerwartete Aus befördert. Entsprechend viel stand
für die Mannschaft aus Münster auf dem Spiel. Diese Verkrampfung hielt sich
leider im gesamten Spiel. Die UFC-Aktionen waren zerfahren, die gerade
gewonnenen Bälle wurden leichtfertig verspielt. Allein Julian Offermann konnte
gegen Ende des Spiels Ruhe und Ballsicherheit bewahren. Die Gegner aus Bayern
kontrollierten das Spiel und kamen zu vielen gefährlichen Fernschüssen. Tomasz
Luzar im Tor des UFC zeigte eine grandiose Leistung und rettete mit vielen
tollen Paraden dem UFC das 0:0, das den sicheren Einzug ins Halbfinale
bedeutete. Über diesen Teilerfolg konnte sich allerdings kein Spieler freuen, da
allen klar war, wie schwach die eigene Leistung war.
Im letzten Gruppenspiel
fertigte die Göttinger Regionalauswahl die Titanen aus Weimar nach tollen Toren
mit 9:0 ab und wurde Gruppenerster. Der Thüringische Meister war ohnehin nur mit
fünf Spielern ins Turnier gegangen und hatte im zweiten Spiel noch eine
Gelb-Rote Karte gesehen. Der Aushilfsspieler am Sonntag konnte nichts mehr
retten.
Im ersten Halbfinale traf der UFC auf den Meister der Niederrhein-Liga, die Strandkaiser aus Krefeld, die unter dem Verein SC Bayer Uerdingen und mit großen Ambitionen antraten. Ihr eigener Kaisertipp lautete Turniersieg. Die Spieler des UFC zeigten in diesem Spiel ein komplett anderes Gesicht. Von Beginn an wurden schnelle Angriffe vorgetragen, insbesondere Figo Westerheide Julian Offermann zeigten tolle Dribblings. Bereits nach wenigen Minuten wurde ein solcher Angriff von David Hellendrung zum 1:0 abgeschlossen. Die Strandkaiser blieben unbeeindruckt und kamen nach drei Minuten zum Ausgleich. In einer schönen Aktion spielte der technisch starke Strandkaiser Sari den UFC-Keeper aus und schob den Ball fast von der Torauslinie ins Netz zum 1:1. Ein weiterer Konter des UFC stellte die Führung wieder her. Quick setzte sich mit einem Dribbling auf der Seite durch, wurde aber bis zur Torauslinie abgedrängt, von der er auf Uli Winkler ablegte, der direkt mit links abzog. Zudem versperrte Hellendrung dem Krefelder Keeper die Sicht und ließ den Ball geschickt durch seine Beine ins Tor laufen, 2:1. Danach versuchten die Strandkaiser immer wieder, ihren zentralen Stürmer anzuspielen, der sich aber nie entscheidend gegen die starken Verteidiger Jonas Bräuer und Julian Tietze durchsetzen konnte. Der elegante Chris Wenning nutzte zudem den sich bietenden Raum für schnelle Konter. Bei einem seiner schönen Läufe verletzte er sich leider im Sprint. Kurz vor dem heranstürzenden Keeper konnte er den Ball nicht mehr auf den freien und einschussbereiten Hellendrung ablegen, sondern spürte einen Schmerz im Knie und fiel über den Krefelder Torwart. Dadurch verpasste der UFC das sichere 3:1 und verlor zudem einen entscheidenden Spieler. Wenning konnte nur noch zur Bank humpeln. Er konnte leider auch nicht mehr im Finale eingreifen. Andre Baron übernahm seine Position und füllte die entstandene spielerische Lücke so bravourös wie in den Gruppenspielen. Die Strandkaiser konnten sich gegen die starke Defensive des UFC keine gute Torgelegenheit mehr erspielen. Die Fernschüsse wurden von Georg von Coelln im Tor sicher gefangen. Der Einzug ins Finale des DFB-Futsal-Cups bedeutete einen großen Erfolg für den UFC. Die Freude der Spieler war riesig. Vor allem hatte die Mannschaft eine sehr gute Leistung gezeigt und das 0:0 am Morgen vergessen gemacht.
Im zweiten Halbfinale standen sich Eintracht Frankfurt und die Göttinger Regionalauswahl gegenüber. Insgesamt waren damit verdientermaßen die vier stärksten Teams in die Endrunde eingezogen. In diesem Spiel boten beide Mannschaften tolle Offensivaktionen. Göttingen hatte dabei deutlich mehr vom Spiel und kam zu größeren Chancen. Dennoch versagte sich beiden Teams der Torerfolg bis kurz vor Schluss. Einen Schuss aus spitzem Winkel auf die lange Ecke lenkte der Frankfurter Keeper unglücklich selbst ins eigene Tor zum 1:0 für Göttingen. Die Eintracht ersetzte daraufhin ihren Torwart durch einen fünften Feldspieler. In den verbleibenden zwei Minuten verloren sie aber zu oft den Ball, so dass Göttingen noch auf 2:0 erhöhen konnte.
Im Finale des DFB-Futsal-Cups kam es somit erneut zum
Aufeinandertreffen der Mannschaften der Göttinger Regionalauswahl und des UFC
Münster. Beide Mannschaften hatten im Verlauf des Turniers die wenigsten Tore
kassiert, der UFC zwei, Göttingen sogar nur eines. Die Göttinger stellten zudem
den besten Angriff mit 14 Toren, dem UFC waren bisher sieben Treffer gelungen.
Beide hatten kein Spiel verloren und sich in ihren Halbfinals verdient
durchgesetzt. Das Finale versprach eine hochklassige Begegnung, die von
FIFA-Futsal-Schiedsrichter Kammerer und Munoz-Nunez geleitet wurde. Wäre Münster
nicht ins Finale eingezogen, hätte Torsten Günther vom WFLV die Ehre gehabt, an
der Seite Kammerers aufs Feld zu laufen.
Die Partie nahm zunächst einen
anderen Verlauf als in der Gruppenphase. Die ersten acht Minuten gehörten dem
UFC, der durch schnelle Dribblings von Figo, Quick und Hellendrung und die
Ballgewandtheit von Offermann zu einigen guten Torchancen kam. Der hervorragende
Göttinger Keeper war aber auch in diesem Spiel nicht zu bezwingen. Ebensowenig
wie der starke Georg von Coelln im UFC-Tor. Die Göttinger zeigten erneut viele
schöne Aktionen und erzeugten großen Druck auf die Abwehr des UFC. Die perfekte
Defensivarbeit aller UFC-Spieler zahlte sich aber aus. Göttingen kam immer
wieder nur zu Schussmöglichkeiten aus der Distanz. Insgesamt hatte Göttingen in
diesem Finale mehr Chancen als der UFC, der in den letzten Minuten sehr
vorsichtig agierte, um kein entscheidendes Gegentor zu kassieren. Nach 20
Minuten stand es 0:0.
Die salomonische Antwort auf die T-Frage: Für das Sechsmeterschießen wurde wieder der gefürchtete Sechsmeterkiller Tomasz Luzar eingewechselt. Julian Offermann tritt zum ersten Penalty für den UFC an und trifft sicher in die linke untere Ecke, 1:0 für den UFC. Daraufhin baute sich Luzar im Tor auf. Aufrecht im Tor klopft der 1,90m-Hühne mit den Fäusten unter die scheppernde Torlatte, Dong-Dong Dong-Dong. Der Göttinger Schütze erkundigt sich beim Schiedsrichter, ob Luzar das darf. Er darf. Sein Furcht einflößender Blick macht den Rest. In diesem Moment wollte niemand mit den Schützen der SVG tauschen. Tomasz Luzar wehrt den ersten Göttinger Schuss mit einer grandiosen Parade ab, noch immer 1:0. Jonas Bräuer dagegen hämmert den Ball über den Torwart ins Netz, 2:0. Der zweite Göttinger Spieler lässt sich als einziger von Luzar nicht beeindrucken und wählt die andere Ecke, 2:1. Danach wird die Show der Keeper fortgesetzt. Der Göttinger Torwart pariert zwei UFC-Schüsse, Tomasz Luzar muss gar nicht erst eingreifen. Seine Gegner peilen den einzigen freien Fleck im Tor an, der rechte obere Winkel. Dong-Dong Dong-Dong, beide Schüsse gehen über die Latte. Noch immer 2:1 für den UFC und nur noch je ein Schütze. Es ist Captain Julian Tietze vorbehalten, den Sieg für den UFC zu sichern. Er legt den Ball ruhig auf den Punkt, genießt die kribbelnde Spannung und schiebt locker in die rechte Ecke, 3:1 für den UFC.
Der Jubel nach diesem Sieg kannte keine Grenzen. Der UFC hat sich seinen größten Traum erfüllt und ist erster Deutscher Futsal-Meister des DFB. Die Krönung folgte bei der Siegerehrung, als die UEFA-Beauftragten Morel und Fousek den UFC Münster im UEFA-Futsal-Cup willkommen hießen. Im Herbst 2006 tritt der UFC als erstes deutsches Team bei diesem Wettbewerb an.
Die Meister: Georg von Coelln (Torwart, Trainer, Präsident
...), Tomasz Luzar (Torwart), Kapitän Julian Tietze, Jonas Bräuer, Andre Baron,
Alexander Forstbach, Valentin Bohländer, Chris Wenning, Gereon Quick , Stefan
Figo Westerheide, Uli Winkler, Philipp Bleckmann, Bartek Kaiserek, Beastman
David Hellendrung und Julian Offermann.

