Benefizturnier “Nikookari Cup 2008”
Teheran, Iran, 16.November 2008 - 20.November 2008
Der UFC im Iran: Futsal im Zeichen des Dialoges.
Der UFC Münster begab
sich vom 16. bis zum 20. November 2008 auf eine ungewöhnliche Reise. Im Rahmen
eines Benefizturniers für Waisenkinder wurde man in die Hauptstadt des Iran
eingeladen und verbrachte vier äußerst interessante, spannende und mit neuen
Erfahrungen gefüllte Tage in der Millionenmetropole Teheran.
Das UFC-Team, bestehend aus Mitgliedern des 1. und 2. Teams sowie neuen Spielern, trat am frühen Sonntagmorgen des 16. Novembers 2008 seine Reise an. Nach mehreren Verschiebungen des Turniers kurz vor den jeweils geplanten Abflügen im September und Oktober war man auf der Fahrt von Münster zum Flughafen Köln/Bonn nicht sicher, ob man überhaupt ein Flugzeug in Richtung Teheran besteigen oder nicht doch in letzter Sekunde wieder eine Absage bekommen würde. Schließlich aber boardete das Team, übrigens mit einem von drei Deutsch-Iranern im UFC, tatsächlich und machte sich mit der Iran Air-Maschine auf den Weg in die islamische Republik.
Nach einigen spannenden
Minuten vor dem “Immigration Office” am Teheraner Flughafen wurde das Team von
Chef-Organisator und -Begleiter Alizeza und weiteren Verantwortlichen mit
Blumensträußen und herzlichen Worten empfangen. Auf dem langen Weg vom
Flughafen zum Hotel erhielt das Team erste Impressionen der Mega-Metropole
Teheran mit seinem unglaublichen Verkehr (sowohl im Bezug auf Masse als auch auf
Fahrstil). Im Hotel im Norden von Teheran, einige hundert Meter über dem Rest
der Stadt gelegen, wurde man herzlich empfangen durch den Präsidenten und die
Mitglieder des Künstlervereins, gegen dessen Team man am nächsten Tag auch das
erste Futsal-Match bestreiten sollte.
Am Montag stieg das Team am Mittag in Kleinbusse, um ein wenig durch Teheran kutschiert zu werden und schließlich auch das erste Mal einen Basar in der Stadt besuchen zu können. Neben den interessanten Eindrücken des Teheraner Lebens – wie z. B. der oft sehr locker gehandhabten Auslegung der strengen Bekleidungsrichtlinien für Frauen (viele Frauen trugen ihr Kopftuch sehr modisch und so, dass man einen großen Teil ihrer Haare sehen konnte) und der im Allgemeinen sehr herzlichen Art der Menschen lernte das Team auf dem Basar auch eine besondere Spezialität kennen - traditionell iranisches Dattelbrot (ein Fladenbrot mit Dattelfüllung) - das manche Teammitglieder regelrecht verschlangen und später mehrere Exemplare mit nach Deutschland brachten.
Nach den ersten näheren Eindrücken wurde man für das erste anstehende Futsal-Match zur Halle gebracht. Die Fernsehübertragung durch das Staatsfernsehen und die (durch die im Künstlerteam spielenden Prominenten) beträchtliche Anzahl an Zuschauern vermittelten dann auch eine echte Event-Stimmung. Das Team beinhaltete zahlreiche bekannte iranische Künstler, darunter Schauspieler, Sänger und Comedians, sowie einige berühmte Sportler wie den aktuellen Taekwando-Olympiasieger Hadi Saei und ehemalige Futsal- und Fußballprofis. Interessant war wiederum, dass entgegen der offiziellen Vorschriften und trotz Polizeipräsenz auch Frauen als Zuschauer mitfieberten – geschickt platziert im Rücken bzw. seitlich der Kameras, sodass im Fernsehen davon nichts zu merken war.
Das Spiel selbst verlief
– wie aufgrund der ungewöhnlichen Teamzusammensetzung zu erwarten war – etwas
stockend für den UFC, man schaffte es aber dennoch mit einem 4:2 in die Pause
zu gehen. Danach machte der Trainer der Künstlerauswahl einen geschickten
Schachzug, indem er im 2. Durchgang fast nur noch diejenigen Mitglieder des
Teams spielen ließ, die früher selber professionelle Fußballer oder Futsaler
waren, darunter Irans WM98-Nationaltorwart Nima Nakisa. Am Ende stand es 8:5
für das Künstlerteam.
Nach dem Spiel konnten
die UFC-Jungs noch die U23-Nationalmannschaft des Iran und die
U21-Nationalmannschaft von Thailand in Aktion erleben. In einem hochklassigen
Spiel setzte sich die iranische Auswahl mit 4:3 durch. Das UFC-Team konnte sich
dabei schon mental auf das Spiel gegen die quirligen Thailänder am nächsten Tag
einstellen.
Nach dem Verlassen der Halle begab sich das Team mit seinen Begleitern dann noch zu einem berühmten Teheraner Platz und anschließend in ein modernes Bauwerk mit Museum, in dem es iranische Kunst zu bestaunen gab. Zurück im Hotel gab es das wohlverdiente Abendessen, was durch die Zusammenkunft mit den Mitgliedern des Künstlerteams gekennzeichnet war. So sangen zwei Künstler u. a. das zur UFC-Iran-Hymne gewordene Lied “Didi Goftam”, das zu einem weiteren Spitznamen von UFC-Spieler Julian Tietze geworden ist. Für den künstlerisch-kulturellen Austausch wurde dann auch noch Thomas Lehmann vom UFC gebeten, oder besser, gedrängt, seine bescheidenen Gitarrenfertigkeiten zu präsentieren, bevor der Abend dann langsam ein Ende fand.
Am Dienstagmorgen erhielten die UFC-Spieler im Hotel Besuch eines Fernsehteams,
das einige Interviews mit den Teammitgliedern aufzeichnete, bevor man bald
wieder zur Halle gefahren wurde, um gegen das U21-Nationalteam von Thailand zu
spielen.
Technisch und taktisch
klar überlegen schafften es die Thais, vor allem durch zahlreiche Großtaten von
UFC-Keeper Tomasz Luzar, aber nicht einen klaren Vorsprung herauszuspielen. So
gelang es dem UFC dann kurz vor der Halbzeitpause noch zum 2:2 auszugleichen.
Nach der Pause agierten die Thais taktisch klug mit einem 5. Feldspieler
(Flying Goalkeeper) und schafften es so noch dreimal beim UFC einzunetzen.
Enstand 2:5 aus Sicht des UFC.
Danach fertigte die
U23-Mannschaft des Iran das Künstlerteam noch mit 8:1 ab und sicherte sich so
den Turniersieg. So herzlich und gastfreundlich wie der UFC die iranischen
Menschen schon zuvor kennenlernte, wurde man dann auch bei der Siegerehrung
behandelt.
Abends wurden alle Teams
dann noch in ein traditionell persisches Restaurant eingeladen, wo unzählige
Spezialitäten die Gaumen sowie klassische iranische Musik die Ohren der
UFC-Spieler verwöhnten. Als Präsent des Iranian Artist Sport Club gab es dann
noch ein überdimensionales “Kunstwerk” für den UFC, das Keeper Schimmi trotz
großem finanziellen und körperlichen Aufwandes schließlich bis zurück nach
Münster transportierte und nun dessen Flurwand schmückt.
Am Mittwoch erlebte das Team dann noch eine Odyssee durch Teheran, bei der die beeindruckende Besichtigung des alten Schah-Palastes, ein weiterer Basarbesuch und die Teilnahme an einer offiziellen Veranstaltung mit großer Medienpräsenz auf der Tagesordnung standen. Bei letzterer konnten sich die UFC-Spieler mit einem Knoten am “Teppich für Frieden und Freundschaft” verewigen, was nur wichtigen Gästen vorbehalten ist. Der Teppich soll nach seiner Fertigstellung an die UNESCO in Paris übergeben werden. Bei diesem bedeutenden Ereignis interviewte das staatliche Fernsehen noch einmal zahlreiche Mitglieder des als “Deutsche Nationalmannschaft” vorgestellten UFC-Teams.
Nach einem Zwischenstop
in einem Fastfood-Restaurant im US-Stil folgte man dann noch der Einladung des
Schauspielers und Künstlerteam-Mitglieds Pouya zu seinem Filmset, wo man den
Shoot einer Szene eines iranischen Filmes mitverfolgte. Übermüdet und im
Angesicht der um 3 Uhr nachts angesetzten Rückfahrt zum Flughafen begab man
sich danach zurück zum Hotel, um die letzten Sachen zu packen und noch ein
kleines Nickerchen abzuhalten. Der Abschied von Chef-Begleiter Alireza, der
auch schon den FC Bayern München im Iran begleitete, war sehr herzlich und hoffentlich
nicht endgültig.
Nach einem ruhigen Flug
landete das UFC-Team schließlich am frühen Donnerstag des 20.11. wieder auf
deutschem Boden.
Die Mitglieder des Teams brauchten alle sicherlich einige Tage, um die Fülle der neuen und interessanten Eindrücke dieser kurzen Reise ganz zu verdauen. Sie waren sich aber einig, dass es sich gelohnt hatte. Man hatte einen kleinen Einblick aus einer anderen Kultur gewonnen – und dabei in der Herzlichkeit und Offenheit der Menschen einen interessanten und wichtigen neuen Blickwinkel, abseits des in den Medien vermittelten und politisch gefärbten Bildes des Iran, kennengelernt.
UFC “equipo iraní”: Gereon Quick, Tomasz Luzar, Julian Offermann, David Hellendrung, Julian “Didi Goftam” Tietze, Michael Szymanski, Daniel Dickmann, Felix Freyer, David Schulz, Rusbe Torkashvand-Nezhad, Thomas Lehmann.
